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rheinsein : Die Loreley vom Park gegenüber

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Das Netz ist groß und weit und steckt voller kleiner Überraschungen. Vor einiger Zeit stießen wir auf Derstiftwillesso, ein Blog nicht näher bezeichneter Autorschaft. Der Stift, der es so will, notiert hauptsächlich die Geschehnisse “im Park gegenüber”. Dort tummeln sich Arbeitslose und seltsame Gestalten, die ihre Arbeitsstelle in der Mittagspause verlassen dürfen. Der Stift will es so, daß mit der Loreley eine der mythischsten Gestalten Deutschlands in diesem namenlosen Park auftaucht, er will es nicht nur so, sondern entwirft darüberhinaus ein skeptisches Bild der alte Dame, die hier Lore Leysiefen heißt, und die er in den heutigen Karneval schickt, sie Joggern auflauern läßt oder auch Hilfsarbeitern, Männern, die, ganz im historischen Sinne, auf der Strecke bleiben werden, noch ehe sie ergründen konnten, warum. Die Geschehnisse des (mit “Alltag” untertitelten) Blogs scheinen auf eine “Filosofie der kleinen Leute” hinauszulaufen; so wie der Autor ungenannt bleibt und dadurch seine Verantwortung dem Stift überläßt, läßt auch die Handlung sich nicht genau verorten, beiläufig eingestreute Indizien legen jedoch die Vermutung nahe, daß sie in einer Stadt, die Düsseldorf und Duisburg in sich vereint, spielen könnte.

“Die Loreley ist nach dem Karnevals Ausflug so frustriert, dass es ihr nach ihrer eigentlichen Bestimmung so sehr gelüstet, dass sie, unter Auferbringung aller ihrer Künste, einen Mann ins nässliche Unglück zu stürzen vermochte. Er war ein Hafenarbeiter und vielleicht hatte er Liebeskummer, was der Loreley überhaupt egal ist. Denn ihr geht es letztendlich wie allen Erfolgswesen, und der Rest ist nur ein Zweck zum Mittel. Dann hatte sie ihn am Schlawickel, den Leiharbeiter. Arbeiter, nicht einmal dazu reicht es! Bei ihr kam wieder das alte Ach und Weh, und waren die früheren Zeiten nicht besser? Ganze Schubverbände zollten ihr Respekt, wurden demontiert und dahinter wieder zusammengesetzt, um doch nur ihre grenzenlose Gier zu stillen. Nun, grämlich sitzt sie in ihrer Stammhöhle, tief im Felsen und studiert den Stundenzettel des Armen. Kein glitzernden Ehering liegt in ihrer kalten Hand.. Fürwahr, das ist düster für sie. Kein kehliges Schluchzen, keine jammernden Kinderherzen, kein gar nichts, was soll noch sein? Weich ist das Papier geworden, bald wird es sich auflösen. Sie lässt davon ab. Er ist gesättigt, schwebend. Wütend begibt sie sich auf die Lauer.” (aus: Derstiftwillesso)


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